Über Big-Tech hinaus: Chancenreiche Werte entdecken
US-Wirtschaft widerstandsfähiger als erwartet
Trotz eines angespannten geopolitischen Umfelds und anhaltender Sorgen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt bleibt das globale Wirtschaftsszenario insgesamt robust. Die Wachstumsprognosen wurden zwar leicht von 3,3 % auf 3,1 % nach unten revidiert, ohne jedoch die Dynamik der US-Konjunktur wesentlich zu beeinträchtigen
In den Vereinigten Staaten zeichnen sich dennoch Anzeichen einer Abschwächung ab:
- Konsum: nachlassende Konsumdynamik, ablesbar beispielsweise am Rückgang der Kreditkartenausgaben.
- Energie: Der Benzinpreis von über 4 Dollar pro Gallone belastet die Kauflaune der privaten Haushalte; der fiskalische Spielraum, um den Schock abzufedern, ist aber begrenzt.
- Privatkredite: Erste Spannungen im Segment der Privatkredite (1.500 Mrd. $). Auch wenn das im Vergleich zum deutlich größeren Hypothekenmarkt (12.000 Mrd. $) nicht systemrelevant ist, bleibt die Entwicklung aufmerksam zu beobachten.
Diese Schwachstellen werden jedoch durch die außergewöhnliche Dynamik der Investitionen in Technologie und künstliche Intelligenz weitgehend kompensiert. Der Technologiesektor macht mittlerweile einen großen Teil des US-Wachstums aus (40 %) und trägt weiterhin maßgeblich zu den Unternehmensgewinnen bei, während er zugleich als Puffer fungiert.
Das größte Risiko: der Anstieg der Zinsen
Mehr noch als die Abkühlung der Konjunktur sorgen die steigenden Langfristzinsen für Besorgnis. Bei einem Anstieg der Rendite 10-jähriger US‑Staatsanleihen auf über 5,5 % könnte der Vermögenseffekt – der sowohl auf Wertsteigerungen bei Immobilien als auch an den Finanzmärkten beruht – an Kraft verlieren. Trump hat als „Immobilienmann“ ein großes Interesse daran, dass sich die Zinsen vor den Zwischenwahlen stabilisieren.
Künstliche Intelligenz verändert die Marktstrukturen grundlegend
Die Märkte sind in eine Phase außergewöhnlichen Wachstums eingetreten. Umsatzsteigerungen von 80 Prozent sowie eine Verdopplung oder gar Verdreifachung der Gewinne bei führenden Halbleiterherstellern zeigen: Historische Vergleichswerte reichen nicht mehr aus, um diese Entwicklungen angemessen einzuordnen. Ähnlich wie das von niemandem vorhergesehene exponentielle Wachstum von Covid sprengt auch das Wachstum der Künstlichen Intelligenz die üblichen Denkschemata.
Ein Unternehmen, das jährlich um 50 Prozent wächst, mag heute teuer erscheinen und schon in zwei Jahren günstig wirken. Diese Logik setzt sich derzeit im Infrastrukturbereich der Tech-Branche durch – und sie erklärt die bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit der Aktienmärkte trotz anhaltenden Zinsdrucks
Wo stehen wir tatsächlich bei der Einführung der KI?
Auf Technologie spezialisierte Fondsmanager bewerten den Ausbau der KI-Infrastruktur auf einer Skala von 1 bis 10 derzeit erst mit Stufe 2. Mit anderen Worten: Wir stehen noch ganz am Anfang. Eine treffende Analogie ist der Bau einer Stadt: Aktuell werden die Fundamente gelegt und die Straßen angelegt. Die nächste Welle – in der alle Wirtschaftssektoren diese Infrastruktur „besiedeln“ – liegt noch vollständig vor uns. Die daraus resultierenden Produktivitätsgewinne könnten jene des Internets sogar übertreffen.
In der Tech-Branche: Gewinner und Verlierer
Von „der Tech-Branche“ als homogenem Block zu sprechen, ist inzwischen irreführend. Über einen Zeitraum von drei Jahren beträgt der Performanceunterschied zwischen KI-Infrastruktur und traditionellen Softwareanbietern rund 300 %. Einfach einen NASDAQ-ETF zu kaufen, bedeutet heute, eine Wette einzugehen, die zugleich auf beide Extreme setzt.
KI-Infrastruktur ✓
- Halbleiter & Mikrochips
- Rechenzentren & Ausrüstung
- Versorger / Elektrifizierung
- Rechenleistung
Softwarehersteller ↓
- Geschäftsmodelle durch generative KI in Frage gestell
- Rückgänge von -30 % bis -50 %
- Finanzierung über Privatkredite gefährdet
- Unsicherer Endwert in 10 Jahren
Das Beispiel Microsoft: sich neu erfinden, um zu überleben
Microsoft demonstriert, wie sich ein Softwarehersteller proaktiv transformieren kann, statt nur auf Veränderungen zu reagieren. Mit der Integration von KI-Token-Kontingenten in Microsoft 365 monetarisiert das Unternehmen den Zugang zu KI-Modellen als zusätzliche Wertschicht seines Ökosystems. Rechenkapazität für KI wird damit Teil von Vergütung und Produktivität – und Microsoft holt sich die Kontrolle über die Wertschöpfungskette zurück. Anbieter wie Duolingo, die weitgehend auf ein einzelnes Produkt fokussiert sind, haben diesen strategischen Spielraum nicht.
Wie man investiert: Der Momentum-Ansatz
In einem derart disruptiven Umfeld wird die individuelle Titelauswahl („Stock Picking“) selbst für Profis immer komplexer. Disruption kann eine Anlagestrategie von heute auf morgen hinfällig machen. Die Frage lautet daher nicht „Soll man investiert bleiben?“ (die Antwort lautet ja), sondern „Wie lässt sich diese Positionierung robust gestalten?“
Der Momentum-Faktor: eine seit 40 Jahren nachgewiesene Marktanomalie
Die Momentum-Strategie basiert auf einer soliden empirischen Beobachtung: Die Werte, die sich am besten entwickelt haben, neigen dazu, weiterhin eine Outperformance zu erzielen, und umgekehrt. Dieses Phänomen wird durch gut dokumentierte kognitive Verzerrungen angetrieben: übermäßiges Selbstvertrauen, Herdenverhalten, Angst, den Anschluss zu verpassen („FOMO“).
Über einen Zeitraum von 40 Jahren, basierend auf MSCI-Daten, übertrifft der Momentum-Faktor alle anderen Faktoren („Value“, Qualität, Wachstum). Die Strategie, die ODDO BHF AM seit 20 Jahren auf dieser Grundlage verfolgt, weist eine Outperformance von +1,5 % pro Jahr gegenüber dem S&P 500 auf, bei einem Risikoprofil, das dem des Index nahekommt.
Wie funktioniert das konkret?
- Identifizierung von Titeln, deren langfristiger Trend intakt und deren Volatilität begrenzt ist (Zeichen für solide Fundamentaldaten hinter der Kursbewegung).
- Aufbau eines Portfolios mit expliziten sektoralen Beschränkungen, um eine übermäßige Konzentration auf den Technologiesektor zu vermeiden und gleichzeitig eine Übergewichtung von Titeln mit starkem Momentum beizubehalten.
- In Bezug auf das Risiko nahe am Referenzindex bleiben und diesen gleichzeitig übertreffen.
Warum nicht ein S&P 500 Equal Weight ETF?
Die Gleichgewichtung reduziert zwar die Konzentration, verwässert jedoch zugleich das Engagement in Titeln mit starkem Momentum. In einem Trendmarkt wie diesem ist Polarisierung eine Realität, die es zu erfassen und zu steuern gilt – nicht zu beseitigen. Das Gewicht von Nvidia auf das Niveau eines regionalen Versorgers zu senken, hieße, den strukturellen Wachstumstreiber des Marktes zu verpassen.
Über Big-Tech hinaus: Wo findet man Wert?
Die von KI profitierenden Sektoren in den USA
Von der KI-Revolution werden nicht nur die direkten Technologieunternehmen profitieren. Mit dem Ausbau der Infrastruktur werden alle Wirtschaftssektoren beginnen, „die Stadt zu bevölkern“, d. h. die durch KI ermöglichten Produktivitätsgewinne zu monetarisieren.
- Energie: Versorgungsunternehmen & Elektrifizierung (direkte Nutznießer des Energiebooms im Zusammenhang mit Rechenzentren).
- Finanzen: Banken und Versicherungen (massiver Einsatz von KI-Agenten. HSBC hat den Abbau von 37.000 Stellen angekündigt, die Geschwindigkeit der Effizienzsteigerungen ist beispiellos).
- Gesundheitswesen: Diagnostik, Forschung, Verwaltung (KI wird hier in rasantem Tempo eingeführt).
China: zweite strategische Säule
China ist in westlichen Portfolios häufig unterrepräsentiert – ein Fehler, der korrigiert werden sollte. Der Fünfjahresplan hat staatliche Subventionen gezielt vom Immobiliensektor in Hochtechnologiebranchen umgelenkt, darunter Quanten-, Nuklear- und Robotik-Industrien. Insbesondere im Bereich Robotik hat China inzwischen Japan überholt und misst sich auf Augenhöhe mit den USA.
- Talentpool: Jährlich werden neunmal mehr Ingenieure ausgebildet als in den USA.
- Bewertungen: Günstige Bewertungen, Politik zur Stützung der Aktienmärkte, um einen Wohlstandseffekt zu erzeugen und den Binnenkonsum anzukurbeln.
- Robotik: Deutlicher Vorsprung in der Industrierobotik – ein Segment, in dem die Qualität chinesischer Hersteller mittlerweile über der japanischer liegt.
Zu berücksichtigende soziale und geopolitische Herausforderungen
Die KI‑Revolution geht weit über rein finanzielle Aspekte hinaus. Sie gestaltet das wirtschaftliche, soziale und geopolitische Umfeld um – Entwicklungen, die künftig zwingend in die Analysemodelle von Investoren einbezogen werden müssen.
- Deflation: Mittelfristig dürfte KI durch Produktivitätsgewinne einen deutlich deflationären Effekt entfalten. Dies ist ein zentraler Faktor, der die positive Einschätzung risikobehafteter Anlagen unterstützt.
- Beschäftigung & sozialer Zusammenhalt: Der beschleunigte Stellenabbau (etwa bei HSBC und im Finanzsektor insgesamt) wirft jedoch Fragen zur sozialen Akzeptanz und zur Vermögensverteilung auf, denen sich die Politik stellen muss.
- Geopolitik: Technologische Vorherrschaft ist zu einem Kernbestandteil der Außenpolitik sowohl der USA als auch Chinas geworden. Themen wie Datenhoheit und KI‑Regulierung werden die Bewertungen ganzer Sektoren maßgeblich beeinflussen.
- Allokation: In diesem Umfeld greift eine reine Titelauswahl zu kurz. Geopolitische, regulatorische und gesellschaftliche Faktoren müssen integraler Bestandteil der Portfoliokonstruktion sein.
Fazit: Welche Ansätze für eine Allokation?
Der Technologiesektor bleibt unserer Meinung nach unverzichtbar: Er macht 40 % des US-Wachstums und den Großteil der künftigen Produktivitätsgewinne aus. Doch die Streuung innerhalb des Sektors ist heute so groß, dass ein naiver Indexansatz erhebliche asymmetrische Risiken birgt. Der Schlüssel könnte in einer strengen Selektivität, einem systematischen Momentum-Ansatz und einer durchdachten Diversifizierung liegen.
Unsere Anlagelösungen*
- Bei US-Aktien
Smart-Momentum-Strategie für US-Aktien: Übergewichtung im Bereich KI-Infrastruktur, flankiert von einer strengen sektoralen Diversifizierung. - Zum Thema Tech/KI
Fonds Global ArtificiaI Intelligence : Fonds „Global Artificial Intelligence“, um die zweite Welle (Monetarisierung der KI in den Sektoren) zu nutzen, mit einer stärker kontrollierten Volatilität als bei einem reinen Tech-Fonds. - Auf anderen Märkten
Chinesische Aktien: Identifizierung unterbewerteter Aktien, dynamische Spitzentechnologie (Robotik, Ingenieurwesen), politische Unterstützung durch die Behörden. - Zu berücksichtigende Risiken
Ausschließliche Konzentration auf Softwarehersteller oder ungefilterte NASDAQ-ETFs. Risiko von -30 % bis -50 % im Falle einer Störung des Geschäftsmodells.
* Die oben genannten Anlagen bergen insbesondere das Risiko eines Kapitalverlusts.
Dieses Dokument dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar.

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