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Schmelztiegel der Fondshauskulturen

Im Gespräch mit der Börsen-Zeitung: Nicolas Chaput

Nicolas Chaput
Global CEO and Co-CIO
ODDO BHF Asset Management

Nach mehreren Übernahmen will ODDO BHF im Fondsgeschäft als Einheit wahrgenommen werden - Gravitationszentrum Deutschland

Dem Assetmanagement wird von manchen Branchenbeobachtern die Tendenz hin zu großen Fondsadressen bescheinigt, zugleich gelten Fusionen wegen unterschiedlicher Firmenkulturen als heikel. Der Assetmanagement-Chef von ODDO BHF widerspricht kein Wunder, denn sein Haus passt nicht in diese Raster. 

Für Fondsgesellschaften, die andere Adressen aufkaufen oder mit ihnen fusionieren, hat Nicolas Chaput zwei Grundregeln parat. Erstens: Erhalte die Leistungsmaschine. Ein pragmatischer Ansatz sei wichtig, um die Teams zusammenzuhalten. Zweitens: Respektiere die Firmenkultur. Jede Firma und jedes Land solle sich im neuen Gebilde wiederfinden. Leichter gesagt als getan. Chaput hat vermutlich schon erfahren, wie schwierig das Management einer Integration seien kann: Als Assetmanagement-Chef von ODDO BHF steht er der ursprünglichen Einheit in Paris vor, aber auch den Standorten in Düsseldorf und Frankfurt. Am Rhein übernahm die Gesellschaft vor vier Jahren die Fondsadresse Meriten, ein Findelkind aus dem zerschlagenen Konzern der WestLB, das die US-Bank BNY Mellon einst adoptierte und 2015 an die ODDO-Gruppe weiterreichte. Mit der vollständigen Übernahme der Frankfurter BHF-Bank, die selbst eine Geschichte wechselnder Eigner hinter sich hat, übernahm die heutige Finanzgruppe ODDO BHF 2016 zugleich auch die zugehörige Fondsadresse Frankfurt Trust. Im vergangenen Jahr schloss ODDO BHF den Kauf der französischen Private-Equity-Schmiede ACG Capital ab. 

Nach anfänglicher Spekulation über den Verbleib der Frankfurt Trust integrierte ODDO BHF das Assetmanagement und zählt heute in der Sparte mit 58 Mrd. Euro zu den mittelgroßen Fondsadressen, wie Chaput sagt. "Wir sind groß genug, um stabil zu sein, und überschaubar genug, um flexibel und agil zu bleiben", sagt der globale CEO des Assetmanagements, der auch Co-Investmentchef ist. Für große Fondsadressen sei es schwierig, in allen Feldern eine solide Leistung zu erbringen, während ODDO BHF im Assetmanagement als spezialisiertes Haus auftrete. Der Blick allein auf die Höhe der verwalteten Vermögen führe nicht weit, um das Geschäftsmodell zu bewerten. "Es gibt einen Bedarf nach mittelgroßen Assetmanagern."

Dies- und jenseits des Rheins 

Gewachsen ist eine 369 Mitarbeiter zählende Gruppe mit einer Zentrale in Paris, aber einem Schwerpunkt in Deutschland. Im Fondsgeschäft stammt der überwiegende Teil der Mittel von Investoren aus der Bundesrepublik. Somit besteht die Managementleistung von Chaput auch in der Präsenz hier wie dort. In der Woche hält er sich meist sowohl in Paris als auch in Deutschland auf, und zwar in wechselnder Folge in Düsseldorf und Frankfurt. Die einstigen Manager der deutschen Einheiten, Norbert Becker von Meriten und Karl Stäcker von Frankfurt Trust, führen jeweils als stellvertretende Sprecher der Geschäftsführung das hiesige Geschäft, maßgeblich gesteuert wird die Gesellschaft aber von Frankreich aus. In Luxemburg führt die Gruppe ein weiteres Investmentzentrum, in einigen anderen Metropolen ist ODDO BHF Asset Management mit Büros präsent. 

Eng abstimmen muss sich Chaput mit Gruppenchef Philippe Oddo, der die Übernahme der BHF-Bank nach einem Bietergefecht mit dem chinesischen Konglomerat Fosun 2016 vollendet hatte. Die IT-Plattform im Assetmanagement sei mittlerweile gebündelt. Kulturelle Gepflogenheiten seien aber in Frankreich und Deutschland unterschiedlich. 

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Sortiment neu sortiert 

Aber Chaput wäre kein Chef des Assetmanagements, würde er nicht die Vorteile der Vielfalt herausheben: Denn das Geschäft sei "komplementär", ergänze sich also und füge sich zu einem breiteren, gleichwohl spezialisierten Angebot. Eine Expertise für die Auswahl von kleinen und mittleren Börsenadressen (Small und Mid Caps) sitzt in Paris, die Düsseldorfer Meriten war auf Anleihen spezialisiert, die Frankfurt Trust brachte quantitative Handelsstrategien und Mischfondskonzepte ein. Nach den Übernahmen hat die Gruppe einige Fonds verschmolzen und Produkte umbenannt. Themenfonds, die durch den Einsatz lernender Computeralgorithmus bestückt werden, zählen zu den neuesten Produkten. Chaput bezeichnet die Strategie, die auf eine automatische Auswertung von Unternehmensberichten setzt, sogar als vierten wesentlichen Ansatz im Fondsmanagement, neben einer gezielten Einzeltitelauswahl (Stock Picking), der "quantitativen" Bewertung von Aktien und der "passiven" Anlage via Indexfonds. Außerdem zählen - wie könnte es anders sein - auch Nachhaltigkeitsfonds zum Produktsegment, ein Thema, dem sich keine Fondsadresse angesichts nahender EU-Regulierung entziehen kann. "Das nachhaltige Finanzwesen wird die Branche transformieren", sagt auch Chaput. Für Zukäufe bleibe die Gruppe offen, doch sei eine Ausweitung der verwalteten Mittel nicht per se Ziel der Gesellschaft. 

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Quelle: Börsen-Zeitung, 04.12.2019, von Jan Schrader

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