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Das Humankapital

WHITE PAPER

NOVEMBER 2020

 

ENTSCHEIDENDER ROBUSTHEITS- UND DIFFERENZIERUNGSFAKTOR

Während die Covid-19-Pandemie einen sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit ausgelöst hat – allein im zweiten Quartal 2020 sind der Internationalen Arbeitsorganisation zufolge weltweit 400 Millionen Arbeitsplätze verschwunden1 – die sozialen Ungleichgewichte verstärkt und die Fragilität der globalen Lieferketten aufgezeigt hat, sind die Unternehmen mehr denn je dazu aufgefordert, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen und die Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeiter anzupassen, um deren körperliche und geistige Gesundheit sicherzustellen. Zudem müssen sie dafür sorgen, dass sie auch „in der Zeit danach“ gut am Markt positioniert sind.

So hat das Weltwirtschaftsforum in einem im August 20202 veröffentlichten Bericht das Humankapital als „einen entscheidenden Differenzierungsfaktor“ in der Post-Covid-Arbeitswelt identifiziert und ist zu der Auffassung gekommen, dass, „wenn mehr Unternehmen den Menschen während der Pandemie ins Zentrum ihrer Entscheidungen gerückt hätten, dies zu besseren gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und geschäftlichen Ergebnissen geführt hätte; der Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht so stark ausgefallen wäre; die Regierungen nicht so kostspielige Anreize hätten bieten müssen, um die Unternehmen von Ent-lassungen abzuhalten; und die Kosten für den öffentlichen Sektor und die Steuerzahler deutlich geringer ausgefallen wären.“

Auf Ebene der Unternehmen läutet die Gesundheits- und Wirtschaftskrise daher das Ende eines Modells ein, das zu stark auf die Aktionäre fokussiert war, das dem Humankapital nicht genug Beachtung geschenkt hat und das langfristig Kosten für die Unternehmen sowie negative Externalitäten für die Gesellschaft verursacht hat.

Parallel dazu gewinnen bei verantwortungsbewussten Anlegern, die zuvor stark auf Umweltthemen fokussiert waren, wie etwa die Klimakrise, Umweltverschmutzung, oder die missbräuchliche Ausbeutung von Ressourcen, soziale Themen, wie ein starkes Humankapital und flexible Beschaffungsketten, immer mehr an Relevanz.

Diese neuen wirtschaftlichen Umstände haben Unternehmen und Anleger dazu gezwungen, sich anzupassen und die Notwendigkeit anzuerkennen, dem Humankapital einen höheren Stellenwert einzuräumen. Allerdings wird dieses Bestreben dadurch erschwert, dass es sich bei dem Humankapital um einen immateriellen Vermögenswert handelt.

Für ODDO BHF Asset Management war das Humankapital seit Beginn unserer Recherchen stets eine entscheidende Quelle von nachhaltigem Wachstum für Unternehmen, und seine Analyse steht im Zentrum unserer eigens entwickelten ESG-Analyse-methode, da es 30% des ESG-Gesamtratings eines jeden Unternehmens ausmacht.

Wie bereits bei den vor mehreren Jahren begonnenen Reflexionen über die Vereinbarkeit von Umweltschutz einerseits und finanzieller Nutzung der natürlichen Ressourcen andererseits, wie beispielsweise in den von Kering seit dem Jahr 2014 durchgeführten Arbeiten3, muss die aktuelle Krise erlauben, die Arbeiten zur Quantifizierung des Humankapitals zu beschleunigen. Unter diesem Gesichtspunkt begrüßen wir es, dass das Weltwirtschaftsforum sich des Themas angenommen hat, indem es einen entsprechenden methodologischen Rahmen vorgeschlagen hat. Dies ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Erreichung des Ziels einer Rechnungslegung, welche die drei Formen von Kapital berücksichtigt: Finanzkapital, Naturkapital und Humankapital.

 

 

 

Laurent Denize

Nicolas Jacob
Leiter ESG-Research,
ODDO BHF Asset Management SAS

 

 

Laurent Denize

Léa Miomandre

ESG Analystin,

ODDO BHF Asset Management SAS

 


1  „Covid-19 and the World of Work“, 2020
2  „Human Capital as an Asset: An Accounting Framework to Reset the Value of Talent in the New World of Work“, 2020
3  https://www.kering.com/en/sustainability/environmental-profit-loss/what-is-an-ep-l/

 

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